Authentizität wird normalerweise nicht mit einem „Wir“ in Verbindung gebracht, sondern mit Individuen.
In diesem Blog geht es auch um Individuen, um individuelle Weiterentwicklung, ums Herausfinden, wer man ist und wohin man möchte, wie man zu Authentizität gelangt und wie man sein Glück findet. Man hat nämlich, vermute ich mal, nur ein Leben, und ich halte es für sehr wichtig, dieses so zu leben, dass man am Ende aus einer Position inneren Friedens auf alles schauen kann.
Und selbstverständlich auch schon mittendrin. 😊
Mein mindestens ebenso großes Anliegen ist jedoch das Miteinander. Wie kann es funktionieren, wie kann umfassende zwischenmenschliche Nähe und Verbindung – im kleinen (Nachbarschaft) wie im größeren (Gesellschaft) Rahmen entstehen und erhalten werden, wie ist ein erfülltes und friedliches Zusammenleben möglich? Und das ohne übermächtige äußere Regularien, ohne das strikte oder zumindest unhinterfragte Befolgen vereinender Konventionen, ohne religiöse oder andere (unhinterfragte) Strukturen, die zwar eine aufoktroyierte Gemeinschaft stiften, aber keine, die ich als authentisch bezeichnen würde.
Zu dem Wunsch nach einer solchen Art von Verbindung gehört auch die Frage, welche Werte dann bleiben oder gefunden werden müssen, um das Miteinander auf eine freiheitliche Art so zu regeln, dass dennoch wirkliche Verbindung entsteht.
Und auch: Wieviel Hierarchie ist dennoch – bei aller Freiheit – nötig, wieviel Augenhöhe geht wo, wie kann Führung aussehen, wo wird sie gebraucht, wie sieht es mit Autorität aus…?
Das wiederum führt zu der Frage, wie wir unseren Kindern begegnen und was wir ihnen vermitteln wollen. Und auch da spielen dieselben Begriffe eine Rolle. Augenhöhe? Führung? Autorität? Ein bisschen von allem? Vor allem aber auch: Nähe, Zugewandtheit, Verständnis, Präsenz – was gar nicht immer so selbstverständlich ist.
Diese Fragen stellen sich um so dringlicher, je heterogener unsere Gesellschaft wird, in vielerlei Hinsichten.
Generell sind in allen zwischenmenschlichen Bereichen mindestens zwei Dinge nötig: Hinfühlen (Achtsamkeit, Empathie) und Reflexion. Die oder der Einzelne, der sich weiterentwickeln und seine Beziehungen vertiefen oder überhaupt erst entstehen lassen möchte, muss merken können, was sich gut und was sich schlecht anfühlt, wo vielleicht automatisch Widerstände entstehen, Zweifel, Ressentiments und (Vorur-)teile und negative Projektionen einfließen, oder aber Zuneigung und Sympathie entstehen.
Er oder sie muss erkennen, welche Signale von beiden Seiten gesendet werden, und reflektieren können über Grundhaltungen, Glaubenssätze, Einstellungen, Hoffnungen, Wünsche, und Bedürfnisse, also Denken, Handeln und Wahrnehmungsweisen sowohl ihrer/seiner selbst als auch der anderen.
Aber auch eine Gemeinschaft bzw. Gesellschaft muss sich selbst darüber klar werden, wie sie sich organisiert sehen will, damit es allen gut geht, und damit für Frieden und Gerechtigkeit gesorgt ist bzw. damit sie eben überhaupt erst auf gesunde Weise zu einer Gesellschaft oder sogar Gemeinschaft zusammenwächst.
Ein authentisches Wir kann dann entstehen, wenn es nicht (nur) durch von außen bestimmte Ziele oder Organisationsformen motiviert wird, sondern aus freien, aufmerksamen und reflektierten Individuen besteht, die trotz – oder gerade aufgrund – eigener Authentizität keinesfalls nur um sich selbst kreisen, sondern in der Lage sind, ein organisches Miteinander bewusst entstehen und sich weiterentwickeln zu lassen und auf diese Weise zusammen zu wachsen.
Wie das alles im Detail aussehen kann, das weiß ich selbst noch nicht. Darum schreibe ich in einem Blog und nicht in einem zusammenhängenden Werk. Ich begebe mich hier selbst auf die Suche, um meine eigenen tausend Fragen zu beantworten und dem „Wir“ auf die Schliche zu kommen – und ich freue mich sehr über Begleitung und tatkräftige Unterstützung dabei.
Auf dass wir uns in den Kommentaren begegnen mögen. 🙂
Liebe Grüße, Sabine Pendl